Als Himmel ist Fantasie Widerschein tiefen Glaubens. Glauben ist künstlerischer Vorschein seelischer
Bedürfnisse.
Als unstetes, vernunftbegabtes Wesen ist der Mensch ständig unterwegs zu
sich selbst. Er glaubt, sobald sich das Ich im Selbst vorfindet, das Glück
gefunden zu haben.
Aber so angestrengt er auch dem Schatten des schönen Scheins nacheifert, so wird er doch niemals schnell genug sein, um ihn einzufangen.
Wann nur wird der Mensch weise genug sein, das Selbst als Abschattung seines Ichs zu schauen? Solange ihm das misslingt, gefährdet er sich durch Überhöhen seines Ichs.
Der Schöpfer begabt ihn mit Widersprüchlichkeit zwischen Gefühl und Geist. Im Schein dieses Irrlichts tasten sich bereits die ersten Menschen durch ihr Paradies. Obgleich daraus vertrieben, hören sie niemals auf zu hoffen, dieses eines Tages wieder zu finden.
Unaufhörlich lockt die Fantasie mit dieser Utopie. Ständig beständig gelobt sie der Vernunft das Vermögen, den Schleier des Geheimnisses lüften zu dürfen. Und die Fantasie, diese Närrin, setzt dafür sogar das Leben der Vernunft auf’s Spiel, indem sie die Hoffnung nährt, ihren Himmel spätestens im Tod zu entdecken.
Aber Fantasien versickern allmählich und Träume der Kindheit verlieren
sich. Die alternde Vernunft voller widersprüchlicher Erfahrungen traut
Fantasien nicht mehr. Sie hofft nicht mehr auf das, was da kommen soll, während
sich das Leben entzieht. Sterben erscheint der Vernunft nunmehr zu spät, um
Wesentliches über das Leben zu erfahren.
So erkundigt sie sich ungeduldig bei den Möglichkeiten des Verstandes
nach dem, was ihr als Himmel utopisch erscheint.
Aber der Verstand verneint die Ortlosigkeit des Himmels, indem er auf das
mystische Erleben der Allgegenwart der Natur als Schöpfung eines für die
menschliche Vernunft nicht mehr denkbaren Geistes verweist.
Himmel ist überall – im Leben. Alles Lebendige zeugt von jenem
schöpferischen Geist, welcher es seit jeher als Möglichkeit bereithielt.
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