Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux aeterna luceat eis / Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.
Das „Ewige Licht“ leuchtet jenem Bewusstwerden, welche der Vernunft zur Anschauung des reinen Geistes der Natur verhilft. Der Geist der Natur umfasst jegliches Sein als Bedingung der Möglichkeit jeglichen Werdens.
Aus dem zufälligen Spiel möglicher Möglichkeiten entstehen wirkliche Möglichkeiten als Ideen möglicher Wirklichkeiten, deren verstandesmäßig plausibelste der schöpferische Geist verwirklicht.
Dieser Vorgang basiert auf verschiedenen Art und Weisen wahrzunehmen:
Mögliche Möglichkeiten => Fantasie
Wirkliche Möglichkeiten => Begabung
Mögliche Wirklichkeiten => Intelligenz
Verwirklichung. => Erfahrung
Samstag, 29. Januar 2022
Ewiges Licht (Widerschein a priori
Samstag, 2. November 2019
Passt schon! - Suche nach verlorenem Sein
Als Alltagsbewusstsein wird Dasein nicht als Traum, sondern vielmehr als Wirklichkeit erfahren. Niemand kommt je auf den Gedanken, dass er das, was er erfährt, lediglich träumt.
Wer denkt schon daran, dass er erst durch den Tod aus diesem Traum erwacht. Das Gehirn schenkt das fortwährende Tagträumen, weil ein Dasein ohne diese Schönfärbung unerträglich wäre.
Triebe der Selbsterhaltung täuschen schöngefärbte Bedürfnisse vor. Diese gaukeln uns das vor, was wir zu brauchen glauben. Sie verführen dazu, sich die Welt unbemerkt so zurecht zu legen, bis sie einem passt.
Niemand entdeckt diese natürliche, großartige Selbsttäuschung. Nur sehr wenigen, sogenannten Erleuchteten offenbart sich diese Trugbildung, allerdings ohne selbst diesen wahre Bildung zu gewähren.
Samstag, 3. Januar 2015
Das Wissen der Seele
Der Philosoph René Descartes betrachtet das Gefühl als
Ersten Erkenntnisgrund. Sein Satz „Ich
denke, also bin ich.“ beruht auf radikalem Zweifeln. Sein Zweifeln aber schenkt
ihm existentielle Sicherheit. Wer an allem zweifelt, kann jedoch nicht mehr
daran zweifeln, dass er zweifelt. Indem er seines Zweifelns gewiss ist, erfährt
es sich auch mit Gewissheit als existent. Descartes räumt also der Seele und
nicht etwa der Vernunft höchste Priorität ein.
Das Wissen der Seele beruht nicht wie das Wissen der Vernunft
auf Beweisen, sondern auf Intuitionen. Wenn dieses Wissen als existentielle
Alternative zum logischen Wissen ernstgenommen werden soll, dann muss die
tradierte Bestimmung des Erkennens als Wahrnehmen, Betrachten, Beobachten und
Begreifen verändert werden zu Wahrnehmen, Verweilen, Empfinden und Glauben. Im
Gegensatz zum logischen Denken in Begriffen ist das schöpferische Denken emotionales
Denken in Intuitionen.
Geniale Denker wie Albert Einstein vereinen in sich sowohl begriffliches als intuitives Denken. Einstein bemerkt: "Ohne den Glauben daran, dass es grundsätzlich möglich ist, die Wirklichkeit durch unsere logischen Konstruktionen begreiflich zu machen, ohne den Glauben an die innere Harmonie unserer Welt, könnte es keine Naturwissenschaft geben.
Geniale Denker wie Albert Einstein vereinen in sich sowohl begriffliches als intuitives Denken. Einstein bemerkt: "Ohne den Glauben daran, dass es grundsätzlich möglich ist, die Wirklichkeit durch unsere logischen Konstruktionen begreiflich zu machen, ohne den Glauben an die innere Harmonie unserer Welt, könnte es keine Naturwissenschaft geben.
Dieser Glaube ist und bleibt das Grundmotiv jedes
schöpferischen Gedankens in der Naturwissenschaft." (10, S. 195) (1938)
Jeder erkennt an, dass jede Wirkung eine Ursache voraussetzt. Und wir verlassen uns darauf, dass wir von der Wirkung auf die Ursache zurückschließen können. Weil das Universum sich ausdehnt, nehmen wir einen Urknall an. Und wir betrachten Urknall als Wirkung des Nichts als Ursache. Wir sagen, dass wir das wissen, obgleich das Nichts eine Angelegenheit des Glaubens ist.
"Die Entwicklung der abendländischen Naturwissenschaft beruht auf zwei großen Leistungen: Der Erfindung des formal logischen Systems (in der euklidischen Geometrie) durch die griechischen Philosophen, und auf der Entdeckung der Möglichkeit, durch systematisches Experimentieren kausale Beziehungen herzustellen.“ (ebd.)
Warum sind wissenschaftliche Modelle glaubhafter als Intuitionen? Wissenschaftliche Modelle beeindrucken durch ihre Genauigkeit. Diese Modelle sind berechenbar. Die meisten Menschen nehmen an, dass eine Berechnung wahrer ist als eine Intuition. Aber eine mathematische Aussage kann nicht wahr, sondern nur richtig sein. Was ist der Unterschied? Wahrheit ist die fühlbare Einsicht der Seele und Richtigkeit ist die berechenbare Einsicht der Vernunft. Was dem Wissen des Verstandes den gewöhnlichen Vorsprung vor dem Wissen der Seele verschafft, das ist dessen sinnlich vernehmbare, objektive Überprüfbarkeit. Was gesehen werden kann, beeindruckt mehr als das, was empfunden werden muss.
Jeder erkennt an, dass jede Wirkung eine Ursache voraussetzt. Und wir verlassen uns darauf, dass wir von der Wirkung auf die Ursache zurückschließen können. Weil das Universum sich ausdehnt, nehmen wir einen Urknall an. Und wir betrachten Urknall als Wirkung des Nichts als Ursache. Wir sagen, dass wir das wissen, obgleich das Nichts eine Angelegenheit des Glaubens ist.
"Die Entwicklung der abendländischen Naturwissenschaft beruht auf zwei großen Leistungen: Der Erfindung des formal logischen Systems (in der euklidischen Geometrie) durch die griechischen Philosophen, und auf der Entdeckung der Möglichkeit, durch systematisches Experimentieren kausale Beziehungen herzustellen.“ (ebd.)
Warum sind wissenschaftliche Modelle glaubhafter als Intuitionen? Wissenschaftliche Modelle beeindrucken durch ihre Genauigkeit. Diese Modelle sind berechenbar. Die meisten Menschen nehmen an, dass eine Berechnung wahrer ist als eine Intuition. Aber eine mathematische Aussage kann nicht wahr, sondern nur richtig sein. Was ist der Unterschied? Wahrheit ist die fühlbare Einsicht der Seele und Richtigkeit ist die berechenbare Einsicht der Vernunft. Was dem Wissen des Verstandes den gewöhnlichen Vorsprung vor dem Wissen der Seele verschafft, das ist dessen sinnlich vernehmbare, objektive Überprüfbarkeit. Was gesehen werden kann, beeindruckt mehr als das, was empfunden werden muss.
Je täuscht dieser Eindruck. Bevor nämlich etwas bewusst
wird, wurde es bereits unbewusst gefiltert und für uns persönlich
zurechtgemacht. Wir nehmen an, dass wir zuerst sehen und merken nicht, dass
dies bereits unbesehen verändert wurde. Wir sehen, nicht, was ist, sondern es
ist, was wir sehen.
Freitag, 2. Januar 2015
Naturalgebra
Naturalgebra ist die Lehre von gleich und gleich. Wachstum entwickelt sich
durch die vier Grundkräfte des Bindens und Lösens und des Hinzufügens und
Wegnehmens. Etwas entwickelt sich, indem Ganzes in Gleiches geteilt und
hinzugefügt und gleichzeitig den Verhältnissen entsprechend modifiziert wird.
Hinzufügen,
Wegnehmen, Binden und Lösen vollziehen sich in eins gleichzeitig (in mathematischen
Symbolen: +, -, *, : ).
Gestalten
bedeutet Umformen. Sein als Gegenwart des Werdens löst sich aus Vergangenheit
und Zukunft, um diese verändert aneinander zu binden und miteinander zu
verbinden. Das Wort reißt sich mit seinem Bild vom Werden los, um einen wieder
hervorholbaren Augenblick für sich zu behalten. Die Vergegenwärtigung des
Wortes erinnert an das festgehaltene Bild.
Der Glaube an die
Gleichheit von erinnertem Bild und festgehaltenem Original schafft eine eigene
Erlebniswelt. Die durch diese Welt verzögerte Zeit erlaubt deren Modellierung,
Mathematisierung und technische Simulation bzw. Reproduktion. Die technische
Entwicklung führt zur fortwährenden Angleichung von Original und medialem
Abbild. Das Konvertieren von der primären in die sekundäre technisch
verifizierte Welt wird denkbar. Der Traum von einem Fortleben nach dem Tod
erfüllt sich durch die Hoffnung auf Simulation.
Alle Handlungen werden algebraisch geregelt. Wenn nun aber letztlich die Natur hinter solchen Regelungen steckt, dann müsste es auch möglich sein, mit den Mitteln der Algebra das Verhalten der Natur selbst zu entdecken. Weil aber die Natur wesentlich Einheit von Information und Energie ist, muss man sich selbstverständlich an eine Erscheinungsform halten, die diese wesentlichen Eigenschaften aufweist. Die einzige mir bekannte Erscheinung, die diesen Bedingungen genügt, ist die Sprache. Sprache ist das repräsentative Universum der Gedanken. In ihren Texten dokumentieren sie ihr Bilderleben und stellen sich dadurch bereitwillig wissenschaftlichen Untersuchungen.
Alle Handlungen werden algebraisch geregelt. Wenn nun aber letztlich die Natur hinter solchen Regelungen steckt, dann müsste es auch möglich sein, mit den Mitteln der Algebra das Verhalten der Natur selbst zu entdecken. Weil aber die Natur wesentlich Einheit von Information und Energie ist, muss man sich selbstverständlich an eine Erscheinungsform halten, die diese wesentlichen Eigenschaften aufweist. Die einzige mir bekannte Erscheinung, die diesen Bedingungen genügt, ist die Sprache. Sprache ist das repräsentative Universum der Gedanken. In ihren Texten dokumentieren sie ihr Bilderleben und stellen sich dadurch bereitwillig wissenschaftlichen Untersuchungen.
Auf den Text
übertragen bedeutet die Lehre vom Gleichen zunächst:
Etwas entwickelt
sich, wenn Vergleichbares aufeinander folgt. Nicht vergleichbare Sätze
entwickeln keinen Text.
Textalgebra ist
die in Texten gespiegelte Algebra der Natur. Textalgebra ist die neuronal
vermittelte Spiegelung der Algebra der Natur in Texten. Die Überführung der
Algebra der Natur in die Algebra des Textes geschieht durch neuronale Prozesse
des Gehirns. Anders formuliert: Das Gehirn protokolliert seine neuronalen
Prozesse in den Texten, die es erzeugt. Texte sind also neuronale Protokolle
des Gehirns.
Zwei Sätze sind
gleich, wenn sie hinreichend viele Übereinstimmungen aufweisen:
Substantive ~
gleiche Sache
Verben ~ gleiche Bewegung
Adjektiv ~ gleiche Eigenschaft
Adverb ~ gleiche Art und Weise
Subjekt ~ gleicher Auslöser
Verben ~ gleiche Bewegung
Adjektiv ~ gleiche Eigenschaft
Adverb ~ gleiche Art und Weise
Subjekt ~ gleicher Auslöser
Donnerstag, 1. Januar 2015
Grenzlinie
Die Grenzlinie
zwischen Sein und Schein erscheint als Trennlinie zwischen Wissen und Glauben
oder zwischen Wirklichkeit und Illusion.
Wer sich auf dieser Linie bewegt, riskiert den Absturz. Wer diese Linie überschreitet, wählt das Unglück des Unvereinbaren.
Wer sich auf dieser Linie bewegt, riskiert den Absturz. Wer diese Linie überschreitet, wählt das Unglück des Unvereinbaren.
Gegensätze lassen
sich nicht auflösen, indem man sie wechselseitig als Mittel zum Zweck einsetzt.
Richtigkeit des Wissens lässt sich nicht durch Wahrheit des Glaubens ersetzen
und umgekehrt.
Alle Versuche, Gottes Existenz zu beweisen, müssen zwangsläufig
scheitern, weil nicht richtig sein kann, was sich allein dem Glauben als wahr
offenbart.
Ebenso wenig lässt sich außerirdisches Leben beweisen, indem man daran glaubt. Richtig wird nicht etwas dadurch, dass man es für wahr hält.
Ebenso wenig lässt sich außerirdisches Leben beweisen, indem man daran glaubt. Richtig wird nicht etwas dadurch, dass man es für wahr hält.
Was aber geschieht,
wenn man versucht, sich denkend der Grenze zwischen Endlichkeit und
Unendlichkeit entlang zu bewegen? Welcher Art müsste ein solches Denken sein,
und auf welche Weise könnte sich das meta physisch vollziehen?
Ein Analogon
kennt das Gehirn bereits, und zwar die Duplizität von Wort und Bild, bzw. von
Sprache und Anschauung. Das Überbrücken ergibt sich hier aus Verweisen von
Worten auf ihre Bilder.
Analog verweist
die sichtbare bzw. materielle Natur auf die ihr innewohnenden unsichtbaren bzw.
geistigen Gesetze. Jenes Denken, welches solches Verweisen hervorragend leistet, ist das algebraische.
Mittwoch, 31. Dezember 2014
Träume
Träume sind
Spiegelung unbewusster Fantasien.
Das Unbewusste
teilt sich durch Träume, Visionen oder in Meditationen bildhaft mit. Spontane
Deutungen solcher Mitteilungen durch Eingebungen der Vernunft beziehen sich wie
lautlose Verlautbarungen der inneren Stimme gewöhnlich auf anliegende oder
gerade zurückliegende Vorhaben. In der Regel sind es vorwiegend kritische
Empfehlungen, Aufforderungen oder Anfragen.
Diese Äußerungen
werden als teils rational, teils emotional gedeutete Impulse von Antrieben,
Bedürfnissen oder Wünschen bewusst. Dieses vage Bewusstwerden erschwert das
klare Verstehen von Einflüssen des Unbewussten. Das führt allzu leicht zur
Verdrängung innerer Anregungen. Träume sagen uns bisweilen, was wir nicht auszusprechen
wagen. Gewöhnlich sind das, wovon wir insgeheim träumen, positive Utopien.
Gewöhnlich mutet uns unsere Seele nichts zu, was unser Kräfte übersteigt.
Traum ist aber
auch jener Bewusstseinsgrad, welcher Einflüsse von Erfahrungen und Gewohnheiten
so weit hemmt, dass Raum für Neues frei wird.
Träumen kann in
Tagträumen oder gar in Denken übergehen.
Wer denkt, dass
er denkt, denkt nur, dass er denkt. Wer denkt, vernimmt (träumt) nur, was ihm
das Unbewusste mitteilt.
Unser
Unterbewusstsein offenbart sich uns nicht. Es schützt sich vor dem Verstand.
Mit der Logik des
Verstandes kann man zwar Beweise führen, aber keine Erkenntnisse gewinnen.
Wir haben keine Ahnung, wer zu uns spricht, wenn wir schreiben.
Wir haben keine Ahnung, wer zu uns spricht, wenn wir schreiben.
Wir erfahren nur
, dass wir Einfälle notieren müssen, um sie nicht gleich wieder zu vergessen.
Wir nennen Intuition, was uns das Unbewusste
eingibt.
Wollen wir uns aber sein Wesen erschließen, dann verweigert es die Aussage.
Wir nennen Intuition, was uns das Unbewusste
eingibt.
Wollen wir uns aber sein Wesen erschließen, dann verweigert es die Aussage.
Wir glauben der
inneren Stimme. Wir vertrauen darauf, dass sie uns Wahres eröffnet.
Nur Weniges von dem, was uns das Unbewusste offenbart, vermag unser Verstand zu erfassen. Und das, was er erfasst, verunreinigt er, weil voreingenommen.
Nicht einmal die Wahrheit über uns selbst dürfen wir ungefärbt erfahren; meistens ist sie schöngefärbt.
Die ‚Befangenheit' des Verstandes ist eine Folge der Enge unseres Bewusstseins, d.i. das begrenzte Fassungsvermögen unseres Kurzzeitgedächtnisses.
Der Verstand vermag nicht alles zu erfassen, weder was von außen, noch was von innen auf ihn eindringt. So filtert er zu unseren Gunsten.
Dienstag, 30. Dezember 2014
Gedanke
Vermutlich
überfällt den Menschen der erste Gedanke in dem Augenblick, in dem er das Licht
der Welt erblickt. Und er drückt diesen seinen ersten Gedanken in seinem Schrei
aus. Der erste Gedanke besteht wohl im ersten Erblicken der anderen Welt. Aber
das ist Spekulation. Der erste Gedanke könnte sich genau so gut schon mit der
ersten Empfindung im Mutterleib gebildet haben.
Tatsache ist, dass sich niemand von uns an seinen ersten Gedanken erinnern kann. Wir bekommen auch die Entwicklung des Denkens nicht mit. Unversehens finden wir uns eines Tages denkend vor, ohne dass uns irgend jemand erklärt hätte, was da mit uns geschieht, wenn wir denken.
Irgendwann haben wir irgendwo das Wort „Denken“ aufgeschnappt, und wir entdecken eines Tages, dass genau in und mit uns geschieht, was dieses Wort meint. Wir spüren geradezu diese Bedeutung.
Tatsache ist, dass sich niemand von uns an seinen ersten Gedanken erinnern kann. Wir bekommen auch die Entwicklung des Denkens nicht mit. Unversehens finden wir uns eines Tages denkend vor, ohne dass uns irgend jemand erklärt hätte, was da mit uns geschieht, wenn wir denken.
Irgendwann haben wir irgendwo das Wort „Denken“ aufgeschnappt, und wir entdecken eines Tages, dass genau in und mit uns geschieht, was dieses Wort meint. Wir spüren geradezu diese Bedeutung.
Wenn das Kind gesagt bekommt: "Jetzt iss endlich auf!“, dann weiß es, was verlangt wird. Wenn Kinder aber gefragt werden „Wo bist du nur wieder mit Deinen Gedanken?“, dann können sie nur ahnen, was gemeint ist.
Von den vielen Situationen her, in denen von Denken gesprochen wird, erschließen wir uns die Bedeutung dieses Wortes. Aber diese eigenständige Ermittlung führt nicht dazu, spontan erklären zu können, was genau mit „Denken“ gemeint ist.
Beobachtet man also Situationen, in denen Leute sagen, dass sie denken, dann geht es gewöhnlich darum, dass sie etwas zu erklären versuchen, nach Worten suchen oder überlegen, wie etwas gemacht werden soll.
Denken wird
demnach als jener Vorgang angenommen, durch welchen sich Bewusstwerden
organisiert. Gedanke ist demzufolge ein Moment der Bewusstseinsorganisation.
Solche Momente sind körperlich, seelisch, geistig multiphren glaubwürdig.
Strittig wird der
Wahrheitsgehalt eines Gedankens dann, wenn sich Körper, Seele und Geist nicht
mehr im Gleichgewicht befinden. Wahre Gedanken sind Zeugnisse harmonischer Bewusstseinsmomente.
Montag, 29. Dezember 2014
Glaubwürdigkeit
Dass fantasievermittelte
Erscheinungen zu einer Frage der Glaubwürdigkeit werden, ist insofern sehr
merkwürdig, als uns unser Wahrnehmen nur
durch Improvisieren der Fantasie bewusst wird.
Konsequenterweise
müssten wir also alle unsere Wahrnehmungen in Frage stellen. Aber uns wird
nicht bewusst, dass wir fantasieren bzw. uns gemäß (um-) gestalten, bevor wir
wahrnehmen.
Was veranlasst
uns also, Wahrnehmen entweder zu vertrauen oder zu misstrauen? Es sind
unterschiedliche Bilder, die diese Frage beantworten.
Weniger
vertrauenswürdige Wahrnehmungen werden als gespürte Abbildungen von Erinnerungen
erfahren. Vertrauenswürdigere Wahrnehmungen werden dagegen als erfahrene
Sinneseindrücke bewusst.
Wir glauben, dass
Sinneseindrücke weniger fantasievoll sind als gefühlvolle Erinnerungen.
Wer oder was entscheidet aber, wie glaubwürdig uns Inhalte des Bewusstseins
erscheinen sollen.
Es ist das
Unbewusste, das limbische Impulse Bewusstwerden vorbewusst günstig oder ungünstig
beeinflussen lässt.
Bisweilen
bekommen wir dergleichen mit, wenn wir ahnen, dass etwas, das wir tun
schiefgehen oder erfolgreich sein wird.
Da wir uns aber Vorgänge
des limbischen Systems nicht bewusst werden, vermögen wir diese auch nicht zu
reflektieren. Ursachen und Gründe von Glaubwürdigkeit scheinen somit vor uns
verborgen zu bleiben.
Sonntag, 28. Dezember 2014
Fantasie als Vermittlerin
Fantasierend
vermögen wir innere Wahrnehmungen als Innenbilder zu gestalten, um diese dann
betrachten, beobachten und begreifen zu können.
Fantasie versetzt
uns in die Lage, dem zuzuschauen, was in uns geschieht. Künstlerische Menschen
setzen inneres Geschehen ins Werk, wenn sie schaffen. Bei Imaginationen oder
gar Visionen geschieht Vergleichbares.
Nicht immer
inszeniert Fantasie das, was sie empfängt in Bildern. Fantasie vermag auch in
Empfindungen zu gestalten. Aber die meisten haben dann Probleme, dem zu
glauben, was sie empfinden.
Sehr häufig
treten solche Erscheinungen bei Trauernden auf, wenn sie glauben, die
Anwesenheit des Verstorbenen zu spüren. Statt sich auf dieses Gefühl
einzulassen, zweifeln sie und tun es als Einbildung ab.
Damit nehmen sie
dem Verstorbenen, die Gelegenheit, sich über die innere Stimme mitzuteilen, um
einen Dialog mit dem Trauernden zu beginnen.
Es gibt manche
wundersame Ereignisse während eines Tages, die allzu leicht als Hirngespinste abgetan
werden.
Wider derartige
Zweifel sollte unbedingt beachtet werden, dass das eigene Gefühl Wahrheiten
offenbart, obgleich wir diese nicht verstehen (wollen).
Entsprechende
Sensibilität vorausgesetzt, können aber Täuschungen von Wahrheiten
unterschieden werden.
Angenommen, eine
Frau spürt die Anwesenheit ihres verstorbenen Mannes und zweifelt an ihrem
Gespür. Sie kann ihrem Zweifel entgegenwirken, wenn sie „schweigend“ mit ihm
einen (inneren) Dialog beginnt. Dabei sollte sie dann auch nicht scheuen, ihn
um ein Zeichen für die Echtheit seiner Anwesenheit zu bitten.
Samstag, 27. Dezember 2014
Wer oder was schenkt Eingebungen?
Im Gegensatz zur
Religion, Philosophie, Lyrik, Poesie, Musik oder Tanz kommt Intuition nicht zu
Wort. Man spricht von einem Einfall und sagt zwar, dass diese Eingebung
Intuition gewesen sei, aber man verschweigt, was darunter zu verstehen ist.
Ich gebe zu, dass es mir genau so ergeht. Ich schreibe wie selbstverständlich diese Sätze auf. Ich vermag jedoch nicht zu beschreiben, wie sie eigentlich entstehen. Natürlich bin ich wie die meisten versucht, zu sagen: „Sie fallen mir einfach ein!“ Aber das erklärt genau nichts.
Das macht mich unzufrieden, und ich spüre, wie diese Unzufriedenheit mich antreibt, den Grund zu schreiben aufzuspüren. Ich vermute daher erst einmal, dass es vielleicht meine Befindlichkeit sein könnte, die das Schreiben anregt.
Im Augenblick schreibe ich ja, um das Unbehagen loszuwerden. Ich stocke, wahrscheinlich, weil tief nachts alles schleppender vorangeht als früh morgens, eine Zeit, zu der ich bevorzugt arbeite. Zudem fallen die meisten von den Texten, die ich mir nachts mühsamer erarbeite, bereits früh morgens durch.
Auch das ist typisch für die Nacht, dass ich das von mir schreibe. Ich sehe mich schon, wie ich das morgen wieder verwerfe, um dann erneut zu erfahren, dass ich dadurch alle näheren Texte der augenblicklichen Schreibumgebung überkritisch bedrohe, um sie dann letztendlich doch zu löschen.
Früher, an der Schreibmaschine, gab es viel mehr Schreibhemmungen, um zu vermeiden, dass erst Texte entstehen, die dann doch im Papierkorb landen.
Aber mir fällt ein, dass ich schon damals oft am folgenden Tag Texte zerrissen habe, die nachts entstanden waren. Und da ich vor Jahren lieber nachts als am Tag geschrieben habe, füllte sich der Papierkorb in jener Zeit ziemlich schnell.
Noch etwas war vor vielen Jahren ganz anders. Ich habe nicht freiwillig geschrieben, sondern aus Verpflichtung, weil ich mich qualifizieren wollte oder besser musste. Schließlich wollte ich mich so schnell wie irgend möglich beruflich qualifizieren, um davon möglichst gut und ungebunden leben zu können. Von klein auf hasse ich nämlich jede Form von Abhängigkeit.
Immerhin förderte nun diese Art und Weise der Rückbesinnung einen Beweggrund für mein Schreiben zutage. Es ist eine Art Selbstverpflichtung aus einem existentiellen Bedürfnis oder Selbsterhaltungstrieb heraus.
Freitag, 26. Dezember 2014
Gen Himmel
Himmel ist Allgegenwart des Schöpferischen, seelisch als Intuition der
Seele, körperlich als sinnliche Erfahrung der Natur und geistig als ideenhaftes
Schauen des Geistes.
Mystisches Erleben aber bedeutet seelisches, körperliches, geistiges
Erfahren in eins zugleich.
Dem Himmel begegnen bedeutet demzufolge philosophisch sich auf das eigene
endliche Dasein als Moment des endlichen Seins einlassen.
Der Weg dorthin führt über die Kehre des Denkens oder als Umwendung des
Denkens in Spüren, Empfinden, Fühlen.
Mir scheint es,
das gesuchte innere Geschehen namens Denken entzieht sich so jeglicher, begrifflichen Bestimmung. So setzte ich
Denken mit jenem gefühlten Fühlen gleich, welches auch Intuition genannt wird.
Mir ist dabei völlig klar, dass diese vorläufige Beschreibung jene verärgern muss, welche sich als Mathematiker oder Naturwissenschaftler betrachten. Dennoch Denken bleibt vorwiegend ein Schöpfungsprozess.
Mathematiker und Naturwissenschaftler aber denken nicht wie der Philosoph Martin Heidegger höchst provozierend bemerkt, sondern rechnen. Wissenschaften modellieren, kalkülisieren, mathematisieren und prognostizieren, aber in aller Regel verlassen sie sich - bis auf geniale Ausnahmen wie Einstein - nicht auf das Empfinden ihrer Gefühle.
Auf den Punkt gebracht:
- Religion glaubt,
- Kunst denkt,
- Wissenschaft rechnet.
Mir ist klar, dass Denken als Spüren eigenen Fühlens noch ziemlich unscharf ist.
Wer ein Gedicht
oder auch einen Roman schreibt, dem wird das, was er aufschreiben soll,
gleichsam von der Tiefe des Unbewussten gegeben. Diese künstlerische Gabe oder
Begabung schenkt der Vorstellungskraft künstlerisch Schaffender Bilder, die
sich beschreiben lassen. Bilder schenken Bedeutungen jenen Worten, welche dann
poetisch oder lyrisch gesetzt werden.
Eingebungen gelangen meistens nicht unmittelbar zu Papier. Die eingegebenen Bilder werden vom Künstler oder der Künstlerin gedeutet. Der Sinn des Unbewussten erhält den Eigensinn der Schaffenden. Das Umdeuten der Eingebung durch künstlerisches Gestalten formt den Sinn eines Gedichts oder eines Romans.
Das Spielen und Inszenieren des Unbewussten mit Fantasien des empfangenden, sensibel empfindenden Bewusstwerdens gelangt nunmehr als Denken zum Vorschein. Als Spielen und Gestalten des Unbewussten formt Fantasieren jenes Gestalten, welches sich dann künstlerisch ins Werk setzen lässt.
Als Empfinden des
Fühlens wird Denken nunmehr als Atmen der Seele spürbar.
Donnerstag, 25. Dezember 2014
Wo liegt der Himmel?
Als Himmel ist Fantasie Widerschein tiefen Glaubens. Glauben ist künstlerischer Vorschein seelischer
Bedürfnisse.
Als unstetes, vernunftbegabtes Wesen ist der Mensch ständig unterwegs zu
sich selbst. Er glaubt, sobald sich das Ich im Selbst vorfindet, das Glück
gefunden zu haben.
Aber so angestrengt er auch dem Schatten des schönen Scheins nacheifert, so wird er doch niemals schnell genug sein, um ihn einzufangen.
Wann nur wird der Mensch weise genug sein, das Selbst als Abschattung seines Ichs zu schauen? Solange ihm das misslingt, gefährdet er sich durch Überhöhen seines Ichs.
Der Schöpfer begabt ihn mit Widersprüchlichkeit zwischen Gefühl und Geist. Im Schein dieses Irrlichts tasten sich bereits die ersten Menschen durch ihr Paradies. Obgleich daraus vertrieben, hören sie niemals auf zu hoffen, dieses eines Tages wieder zu finden.
Unaufhörlich lockt die Fantasie mit dieser Utopie. Ständig beständig gelobt sie der Vernunft das Vermögen, den Schleier des Geheimnisses lüften zu dürfen. Und die Fantasie, diese Närrin, setzt dafür sogar das Leben der Vernunft auf’s Spiel, indem sie die Hoffnung nährt, ihren Himmel spätestens im Tod zu entdecken.
Aber Fantasien versickern allmählich und Träume der Kindheit verlieren
sich. Die alternde Vernunft voller widersprüchlicher Erfahrungen traut
Fantasien nicht mehr. Sie hofft nicht mehr auf das, was da kommen soll, während
sich das Leben entzieht. Sterben erscheint der Vernunft nunmehr zu spät, um
Wesentliches über das Leben zu erfahren.
So erkundigt sie sich ungeduldig bei den Möglichkeiten des Verstandes
nach dem, was ihr als Himmel utopisch erscheint.
Aber der Verstand verneint die Ortlosigkeit des Himmels, indem er auf das
mystische Erleben der Allgegenwart der Natur als Schöpfung eines für die
menschliche Vernunft nicht mehr denkbaren Geistes verweist.
Himmel ist überall – im Leben. Alles Lebendige zeugt von jenem
schöpferischen Geist, welcher es seit jeher als Möglichkeit bereithielt.
Sterben
|
Sterben heißt alles loslassen,
alles Lieben und Hassen. |
|
Rechtzeitig im Leben gegen allen Widerstand vergeben. |
|
Gehen muss jeder allein, aber er muss dabei nicht einsam sein. |
|
Er braucht nicht zu verzagen, wenn er von Liebe getragen! |
Das vernunftbegabte Wesen entdeckt Philosophie als
dichterische Form, aus Werden Sein zu gestalten. Während Religion menschliche
Existenz dem Dasein entrückt, sollen sich Philosophen des Daseins versichern.
Unausgesprochen geht es darum, menschliche Grundängste vor dem Tod zu überwinden. Religionen versuchen das durch das Versprechen, Sterben als ein Hinübergehen oder Heimkehr ins Paradies erleben zu lassen.
Die Philosophie will den Menschen davon befreien, solchen Versprechen glauben zu müssen. Er soll sich dessen vergewissern, wovon Glauben überzeugen soll.
Tatsächlich gelingt es der Philosophie vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden die Mythologie zu überwinden und von der Herrschaft der Götter zu befreien.
Das gelingt der Philosophie, indem sie die religiöse Grundidee als Metaphysik des Seins übernimmt. Nicht mehr die ferne unsichtbare Gottheit im Himmel soll dem Menschen gebieten, sondern das unmittelbar gegenwärtige Wesen der Natur soll sich dem Menschen als Spiegelung des Göttlichen offenbaren.
Erfahrungen mit Leidenschaften des Religiösen lehren, dass besonders Begehrenswertes nicht ohne Opfer zu haben ist. Asketisches Leben in der Abgeschiedenheit eines Klosters oder einer Einsiedelei, soll zähes, hartnäckigstes Ringen um das nur im tiefen Glauben zu Schauende endlich belohnen.
So leuchtet es unmittelbar ein, wenn Philosophen von Anfang an klarstellen, dass Wissen nicht weniger mühsam erworben werden kann als Glauben. Wie Askese eine lange Zeit des Einübens und Eingewöhnens braucht, so bedarf auch Philosophieren zunächst des Erwerbs grundlegender Methoden des Denkens.
Glauben und Wissen sind mühsame Wege der Entdeckung, Abenteuer, durchaus mit dem hohen Risiko behaftet, das Gesuchte niemals zu finden.
Philosophen versprechen durchaus nicht weniger als Propheten. Philosophie gilt wie Religion als Vorbereitung auf das Sterben. Und der Philosoph erwartet denkend das zu erblicken, was sich der Mystiker tief glaubend zu schauen erhofft. Es geht darum, jene Grenze zu überwinden, welche die Seele überschreitet, wenn sie den Körper als ihr Haus verlässt.
Religion wie Philosophie konstatieren „Sein“ als Bedingung ihrer Möglichkeit zu glauben oder zu philosophieren.
Mehr als zweieinhalb Jahrtausende hüten Religion und Philosophie „Sein“ als ihren geheimnisvollen zureichenden Grund und halten so die Trennung von Glauben und Wissen aufrecht.
Letztlich geht diese Trennung aber auf Kosten des gemeinsamen Urgrundes von Glauben und Wissen. Als verschiedene Arten und Weisen zu denken entstehen Glauben und Wissen aus Denken als Bilderleben. „Bilderleben“ meint die Duplizität von Bilder-Leben der Fantasie und Bild-Erleben sowohl der Seele als auch des Geistes.
Denken als Bilderleben verdeutlicht, dass sowohl Glauben als auch Wissen die Fantasie als Ursprung vernachlässigen. Warum Fantasie als gemeinsamer Ursprung von Glauben und Wissen seit jeher tabuisiert wird, lässt sich nur vermuten.
Mittwoch, 24. Dezember 2014
Tod
Nach Auffassung vieler Mythen und Religionen ist der Tod jener Zeitpunkt,
zu welchem die Seele ihr
Haus verlässt,
um nach Hause zurück zu kehren.
Leben wird als vorübergehender Aufenthalt der Seele betrachtet.
Leben wird als vorübergehender Aufenthalt der Seele betrachtet.
Diese Betrachtungsweise seines Lehrers stellt Platon in der Apologie dar.
Sokrates erläutert seine Auffassung in seiner Verteidigungsrede nach seiner
Verurteilung zum Tod durch den Schierlingsbecher:
"Lasst uns aber auch so erwägen, wieviel Ursache wir haben zu hoffen, es sei etwas Gutes. Denn eins von beiden ist das Totsein: entweder so viel als nichts sein noch irgend eine Empfindung von irgend etwas haben, wenn man tot ist; oder, wie auch gesagt wird, es ist eine Versetzung und Umzug der Seele von hinnen an einen andern Ort. Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so wäre der Tod ein wunderbarer Gewinn. Denn ich glaube, wenn jemand einer solchen Nacht, in welcher er so fest geschlafen, dass er nicht einmal einen Traum gehabt, alle übrigen Tage und Nächte seines Lebens gegenüberstellen und nach reiflicher Überlegung sagen sollte, wie viel er wohl angenehmere und bessere Tage und Nächte als jene Nacht in seinem Leben gelebt hat, so glaube ich, würde nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, sondern der Großkönig selbst finden, dass diese sehr leicht zu zählen sind gegen die übrigen Tage und Nächte.
"Lasst uns aber auch so erwägen, wieviel Ursache wir haben zu hoffen, es sei etwas Gutes. Denn eins von beiden ist das Totsein: entweder so viel als nichts sein noch irgend eine Empfindung von irgend etwas haben, wenn man tot ist; oder, wie auch gesagt wird, es ist eine Versetzung und Umzug der Seele von hinnen an einen andern Ort. Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so wäre der Tod ein wunderbarer Gewinn. Denn ich glaube, wenn jemand einer solchen Nacht, in welcher er so fest geschlafen, dass er nicht einmal einen Traum gehabt, alle übrigen Tage und Nächte seines Lebens gegenüberstellen und nach reiflicher Überlegung sagen sollte, wie viel er wohl angenehmere und bessere Tage und Nächte als jene Nacht in seinem Leben gelebt hat, so glaube ich, würde nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, sondern der Großkönig selbst finden, dass diese sehr leicht zu zählen sind gegen die übrigen Tage und Nächte.
Wenn also der Tod etwas solches ist, so nenne ich ihn einen Gewinn, denn die ganze Zeit scheint ja auch nicht länger auf diese Art als eine Nacht. Ist aber der Tod wiederum wie eine Auswanderung von hinnen an einen andern Ort, und ist das wahr, was gesagt wird, dass dort alle Verstorbenen sind, was für ein größeres Gut könnte es wohl geben als dieses, ihr Richter? Denn wenn einer, in der Unterwelt angelangt, nun dieser sich so nennenden Richter entledigt, dort die wahren Richter antrifft, von denen auch gesagt wird, dass sie dort Recht sprechen, den Minos und Rhadamanthys und Aiakos und Triptolemos, und welche Halbgötter sonst gerecht gewesen sind in ihrem Leben, wäre das wohl eine schlechte Umwanderung? Oder auch mit dem Orpheus umzugehen und mit Musaios und Hesiodos und Homeros, wie teuer möchtet ihr das wohl erkaufen?
Ich wenigstens will gern oftmals sterben, wenn dies wahr ist. Ja, mir zumal wäre es ein herrliches Leben, wenn ich dort den Palamedes und Aias, des Telamon Sohn, anträfe, und wer sonst noch unter den Alten eines ungerechten Gerichtes wegen gestorben ist: mit dessen Geschick das meinige zu vergleichen, das müsste, glaube ich, gar nicht unerfreulich sein. Ja, was das Größte ist, die dort eben so ausfragend und ausforschend zu leben, wer unter ihnen weise ist, und wer es zwar glaubt, es aber nicht ist. Für wie viel, ihr Richter, möchte das einer wohl annehmen, den, welcher das große Heer nach Troia führte, auszufragen, oder den Odysseus oder Sisyphos, und viele andere könnte einer nennen, Männer und Frauen: mit welchen dort zu sprechen und umzugehen und sie auszuforschen auf alle Weise eine unbeschreibliche Glückseligkeit wäre! Gewiss werden sie einen dort um deswillen doch wohl nicht hinrichten. Denn nicht nur sonst ist man dort glückseliger als hier, sondern auch die übrige Zeit unsterblich, wenn das wahr ist, was gesagt wird.“
Dienstag, 23. Dezember 2014
Totzeit
Augenblick ist das subjektive Zeitquant von höchstens
drei Sekunden, die wir für eine Wahrnehmung oder einen Gedanken verwenden.
Danach wenden wir entweder unsere Aufmerksamkeit einer anderen Wahrnehmung zu
oder lenken unsere Konzentration auf einen anderen Gedanken. Sätze, deren Aufnahme
mehr als drei Sekunden benötigt, werden nicht vollständig aufgenommen, sondern
überlesen.
Folglich gilt es, sich
dementsprechend kurz zu fassen. Eine Aufforderung, der besonders ich, der zu
langatmigen Sätzen neigt, nachkommen muss.
Augenblicke verkürzen
sich, wenn Aufmerksamkeit oder Konzentration zunehmen. Sekunden der Gefahr
werden als sehr viel länger empfunden als Sekunden großer Freude.
Wenn wir etwas erwarten
dehnt sich die Zeit. Beschäftigen wir uns dagegen mit etwas, das uns sehr interessiert, dann schrumpft sie.
Gefühlte und
tatsächliche Dauer nähern sich um so mehr, je geübter wir in dem sind, was wir
tun.
In jenem Augenblick,
welchen wir Tod nennen, erreichen wir die größte Zeitdehnung bei hoch sensibler
Bewusstseinsorganisation. Während des Sterbens steigt der Energiebedarf des
Gehirns so hoch, dass Licht erzeugt wird. Der Augenblick des Sterbens erzeugt
gleichsam einen Lichttunnel, durch den wir das Diesseits verlassen, um ins
Jenseits zu wechseln. Der Augenblick dieses Wechsels, in dem endliches Leben in
Unendlichkeit übergeht, heißt „Totzeit“. (1968)
Montag, 22. Dezember 2014
Mystische Ereignisse
Mystische Ereignisse sind natürlicherweise
(wesentlich) wahr. Es ist daher müßig zu fragen, ob die vom
Trauernden empfundene Anwesenheit eine Verstorbenen sich tatsächlich
so ereignet oder nicht.
So merkwürdig das für meditativ Unerfahrene
zunächst klingt, künstlerisch abstrakte Räume finden sich
jederzeit allenorts in der Natur. So kann ein Spaziergang in der
Natur mystisch ebenfalls sehr hilfreich sein bzw. helfend wirken.
Verstorbene erscheinen den um sie tief Trauernden
weniger konkret als vielmehr „abstrakt“ als Gefühl. Dieses
Gefühl kann so intensiv sein, dass unmittelbare Anwesenheit
Verstorbener empfunden wird.
Künstlerisch abstrakte Innenräume scheinen durch
die Architektur in Klöstern beschaulicher Orden auf besondere Weise
hervor, also genau dort, wo zugleich Mystik zu Hause ist.
Mystisch ist
Schauen der Seele und nicht geistiges Wahrnehmen. Wenn die Seele
„Liebe“ schaut, vermag geistige Wahrnehmung das allenfalls
künstlerisch ideenhaft ausdrücken. Ein Liebesgedicht flüstert die
innere Stimme der Seele der Künstler ins innere Ohr. Der Geist
vermag oft nicht auszudrücken, was die Seele zu sagen vermag.
Nähe
des Geliebten
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom
Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In
Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub
sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der
Wanderer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die
Welle steigt.
Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen,
Wenn
alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne,
Du
bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne
O
wärst du da!
Johann
Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Religiöse Mystiker vergegenwärtigen sich katathyme
Eingebungen durch immer-währendes Beten.
Sonntag, 21. Dezember 2014
Nähe des Schutzgeistes
Einsichten in Augenblicke des Schutzgeistes
ereignen sich selbst als Augenblick (1 bis 3 Sekunden). Subjektiv
wird diese Einsicht zugleich als Blitzaufladung erfahren.
Philosophieren vermag dazu verhelfen, solche Einsichten
vorzubereiten. Wie wir bereits von der Abstraktion her annehmen
können, müssen solche Vorbereitungen aus geeigneten Abstrakta
bestehen. Diese Abstrakta dürfen das subjektive Zeitquant von etwa
drei Sekunden nicht übersteigen.
Übungen der Annäherung sind sprachliche Verdichtungen wie das inhaltliche Verknüpfen von kurzen Sätzen wie z.B.
A) „Duplizität“ meint Einheit des Gegensätzlichen. „Gegensätzlich“ ist Negatives zu Positivem. „Negatives“ bedeutet Verneinung charakteristischer Merkmale.
B) Veranschaulichen von A) durch Beispiele: „Hitze und Kälte“ gefährden die Gesundheit. Bei „Hitze“ direkte Sonneneinstrahlung meiden, bei „Kälte“ Schutzkleidung tragen. Schnelle „Atome“: Mehr Wärme. Langsame „Atome“: Weniger Wärme. Bei etwa -275 Grad Celsius bewegen sich die Atome nicht mehr, Hitze kennt keinen Grenzwert.
Versuchen Sie täglich A) eine Konnexion aus drei Sätzen, B) Veranschaulichung dieser Sätze.
Alternativ hilft das Einprägen (!) mystischer Poesie.
Mystische Texte von Urs:
Kosmos des Wir
das Eine so stark
wie das Andere
ein jedes fühlt sich
gespiegelt
einzigartig
das Wir atmet
grenzfreier Raum
des Lichts
Magie des Blicks
Anziehung
Seele Herz Gefühl
Gespür leitet
hin zu
das Einzigartige
in mir
erkennt das Gleiche
im Wir
Sinn
wir leben
wir erleben einander
das Gemeinsame
trägt
soweit das Wir reicht
Übungen der Annäherung sind sprachliche Verdichtungen wie das inhaltliche Verknüpfen von kurzen Sätzen wie z.B.
A) „Duplizität“ meint Einheit des Gegensätzlichen. „Gegensätzlich“ ist Negatives zu Positivem. „Negatives“ bedeutet Verneinung charakteristischer Merkmale.
B) Veranschaulichen von A) durch Beispiele: „Hitze und Kälte“ gefährden die Gesundheit. Bei „Hitze“ direkte Sonneneinstrahlung meiden, bei „Kälte“ Schutzkleidung tragen. Schnelle „Atome“: Mehr Wärme. Langsame „Atome“: Weniger Wärme. Bei etwa -275 Grad Celsius bewegen sich die Atome nicht mehr, Hitze kennt keinen Grenzwert.
Versuchen Sie täglich A) eine Konnexion aus drei Sätzen, B) Veranschaulichung dieser Sätze.
Alternativ hilft das Einprägen (!) mystischer Poesie.
Mystische Texte von Urs:
Kosmos des Wir
das Eine so stark
wie das Andere
ein jedes fühlt sich
gespiegelt
einzigartig
das Wir atmet
grenzfreier Raum
des Lichts
Magie des Blicks
Anziehung
Seele Herz Gefühl
Gespür leitet
hin zu
das Einzigartige
in mir
erkennt das Gleiche
im Wir
Sinn
wir leben
wir erleben einander
das Gemeinsame
trägt
soweit das Wir reicht
Samstag, 20. Dezember 2014
Kind werden
Kindlich spielerisches Verhalten ist flexibel und
spontan. Kindliches Verhalten organisiert sich aus dem Augenblick
heraus. Kindliches Verhalten unterscheidet sich nicht vom intuitiv
schöpferischen Verhalten.
Alte, sehr erfolgreiche Künstler oder Philosophen
behaupten nicht selten von sich, dass sie Kind geblieben sind. Was
sie so beweglich hält, das ist vor allem eine hoch empfindliche
Organisation ihres Kurzzeitgedächtnisses.
Wenn der Schutzgeist nicht allein Kinder begleiten
soll, dann müssen Erwachsene sich so weit sensibilisieren, dass sie
ihn überhaupt wahr nehmen können. Das bedeutet vor allem, den
Kurzspeicher des Gedächtnisses zu erhöhen, um das Bewusstwerden zu
beschleunigen bzw. zu verkürzen. In der Praxis geschieht das durch
Beschleunigen neuronaler Transmissionen, und zwar durch
neurosystemisches Üben des Gedächtnisses.
Um das zu erklären, sei „langatmiges“
Vorgehen eines sinnierenden Philosophen und das „kurzatmige“
Wortfindung eines komponierenden Künstlers verglichen.
Philosophen verbrauchen mehr Text als Dichter. Das
liegt gleichsam an der „Haft-fähigkeit“ des Gedächtnisses.
Komprimierte Gedanken eines Gedichts sind neuronal
sehr viel anfälliger und somit flüchtiger als komplexes
philosophisches Denken. Das wird sogar durch unterschiedliche
Satzlängen sinnlich vernehmbar.
Der philosophische Gedanke verbraucht sehr viel
mehr Text als der dichterische. Je mehr Text aber verbraucht wird, um
so weniger Bilder erzeugt die Fantasie und umgekehrt: je weniger
Text, um so mehr Bilder!
Um zu provozieren, könnte man philosophische
Aussagen wie den Satz der Identität „a = a“ oder die
metaphysiche Setzung „Wesen ist das Sein des Seienden.“ nennen.
Diese Kurzfassungen erscheinen sehr abstrakt und offensichtlich
bilderarm. Genau das aber trifft nicht zu. „Sein des Seienden“
gehört zu den bilderreichsten Ausdrücken, über die wir verfügen,
denn dieser umfasst alle Möglichkeiten der Anschauung schlechthin.
Dichtung und Metaphysik begegnen sich anschaulich
im Raum hoher Abstraktion. Entsprechendes geschieht vergleichsweise
in den Werken abstrakter Kunst.
Hieraus lässt sich wahrscheinlich folgern, dass
man dem Schutzgeist am ehesten in künstlerisch abstrakten
Innenräumen der Seele begegnen kann.
Freitag, 19. Dezember 2014
Ur-Instinkt (basic instinct)
Natürlicherweise
ergeben sich meine Darstellungen aus eigenen Erfahrungen. Als
akademischer Lehrer habe ich bemüht, vor allem den Spuren Sokrates'
und Platon's zu folgen. Beeinflusst durch die Metaphysiker Martin
Heidegger und Karl-Heinz Volkmann-Schluck betrachte ich mystisch
metaphysisches Denken des Seins als Offenbaren jenes Wesentlichen,
welches meine Existenz maßgeblich bestimmt.
In noch
so schwierigen unterrichtlichen Situationen konnte ich mich jederzeit
allenorts auf helfende Eingebungen verlassen.
Ich war
immer der Auffassung, das sich die Quelle der Eingebungen bei jedem
erschließen lassen, vorausgesetzt, er wählt einen ihm
entsprechenden Weg.
Das, was
Platon “idein” nennt, bedeutet für mich “basic instinct”,
ein Urtrieb, der jedem Menschen von Natur aus gegeben ist. “basic
instinct” ist eine Art katathymer Erkenntnis- oder Überlebenstrieb.
Katathym
(gr. thymos Gemüt) ist
die Wirkung einer (verdrängten) Affektion auf die Seele. Als basic
instinct wird der Urtrieb zwar extern intuitiv ausgelöst, aber
aktiviert dennoch den rein inneren Vorgang. Ein von außen her
berührtes Gefühl bewirkt als das Schauen des existentiell
Wesentlichen. Durch den Ur-Instinkt berühren sich folgliche
physische und metaphysische Welten. Demnach ist basic instinct also
Bedingung der Möglichkeit un- bzw. übersinnlicher Erfahrung.
Allerdings
ermöglicht meiner Erfahrung nach der Ur-Instinkt keine Vision, die
eine nähere Beschreibung übersinnlichen Schauens ermöglichen
würde. Vielmehr bleibt es bei der Initiation unmittelbaren bzw.
spontanen Handelns. “Ich erfahre unmittelbar intuitiv, was im
Augenblick zu tun ist und handle danach!” Ich habe das in keiner
Situation pädagogischer oder auch politischer Praxis anders erlebt.
Wider
alle Erwartungen lässt sich aber der basic instint bei anderen
didaktisch kaum reaktivieren. Der bei Kindern noch verfügbare
Ur-Instinkt erscheint bei wenig engagierten Erwachsenen kaum mehr
lehrbar. Engagierten Erwachsenen dagegen gelingt das Reaktivieren
allenfalls aufgrund vorbildlich überzeugender Erfolge der Kinder.
Vielleicht
ist das mit der Aufforderung bei Matthäus gemeint: “Wenn Ihr nicht
werdet wie die Kinder...”
Donnerstag, 18. Dezember 2014
Schutzgeist
Platon
beobachtet bei seinem Lehrer Sokrates, dass das Reaktivieren dieses
Sinns ein Vertiefen des Wahrnehmens derart ermöglicht, dass
metaphysische Ereignisse hervorscheinen. So erfährt Sokrates das
Idein so, als ob ihn ein Schutzgeist begleitet. Aber dieser
Schutzgeist begleitet ihn nicht nur, sondern berät ihn auch in
heiklen Situationen.
In
der Tat wird in
der Geschichte der Philosophie das Phänomen der inneren Stimme zum
ersten Mal von Sokrates beschrieben. Sokrates nennt sie ‘daimonion’.
Das bedeutet Wesen und Wirkung des Göttlichen.
Nach
Sokrates Auffassung wird jedem Menschen von Geburt an ein göttlicher
Schutzgeist mit auf den Weg gegeben, der ihn vor Unheil bewahrt. Das
erinnert an Schutzengel, deren Fest jedes Jahr am 2. Oktober gefeiert
wird. Dieses christliche Fest erinnert an das Wirken der Schutzengel,
welche die Menschen wie die „Dämonen“ des Sokrates in ihrem
Leben begleiten und vor Schaden bewahren.
Erst
wenn der Mensch diesen Schutzgeist vernachlässigt und damit den
Unwillen der Götter erregt, wird das Dämonische in ihm zur
Verblendung und Besessenheit.
Das
sokratische Daimonion hat eine Stimme und stellt sich schützend vor
die ihm Anvertrauten. Für Sokrates ist das ein klar erkennbares
Faktum. Es ist so selbst-verständlich anwesend, dass dies nicht erst
diskutiert zu werden braucht. Das Daimonion berät zwar, aber es
trägt nicht zum Erkennen bei. Das Daimonion ist streng getrennt vom
Verstand, es sagt das, was der Verstand nicht erkennen kann. Es ist
nicht das sittliche Gewissen. Was Sokrates zu tun hat und was nicht,
sagt ihm sein Verstand. Das Daimonion bedeutet die Stimme, die ihn
warnt, sobald er gegen seine Intuition handelt.
Innere
Wahrnehmungen, die sich übersinnlich gestalten und wirkliches
Anwesen von hilfreichen Wesen spüren und empfinden lassen, gelten
nicht als Fantasmata (eine Art Wahnvorstellungen), sondern als
wirklich existierend.
Der
griechische Schriftsteller Plutarch (45-120) hat das sokratische
Daimonion ausführlich erörtert. Hinweise auf die Existenz eines
Daimonion finden sich auch in den Schriften der römischen Autoren
Seneca (4-55 n. Chr.) und Marc Aurel (121-180 n. Chr.). Augustinus
deutet das Daimonion als Gewissen und legt die innere Stimme als
Stimme Gottes aus. Thomas von Aquin deutet es sogar als
Erkenntnisorgan der praktischen Vernunft.
“Die
innere Stimme gilt je nach Ansicht den einen als Stimme der Seele,
anderen als Sprache der Vernunft und wieder anderen als Ausdruck des
Gewissens oder als Zuspruch des Geistes oder auch Stimme des Herzens.
Mahatma Gandhi nennt die leise innere Stimme den einzigen Tyrann, den
er in dieser Welt anerkennt.“ (Ausgewählte Texte, Richard
Attenborough (Hrsg.))
„Du
hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie
um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie
erhörst.“
(Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.)
(Ausgewählte Texte, Richard Attenborough (Hrsg.)
Und
Friedrich Nietzsche sagt zur inneren Stimme:
“Es
geht geisterhaft zu, jeder Augenblick des Lebens will uns etwas
sagen, aber wir wollen diese Geisterstimme nicht hören. Wir fürchten
uns, wenn wir allein und stille sind, daß uns etwas in das Ohr
geraunt werde, und so hassen wir die Stille und betäuben uns durch
Geselligkeit.”
Friedrich
Nietzsche, Werke I - Unzeitgemäße Betrachtungen)
“In
dem Augenblick aber, wo uns alles verloren scheint, erreicht uns
zuweilen die Stimme, die uns retten kann; man hat an alle Pforten
geklopft, die auf gar nichts führen, vor der einzigen aber, durch
die man eintreten kann, und die man vergeblich hundert Jahre lang
hätte suchen können, steht man, ohne es zu wissen, und sie tut sich
auf."
(Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3 )
(Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Bde. 1-3 )
Woher
die recht unterschiedlichen Namen für die innere Stimme?
“Das
liegt daran, dass sich dieses Phänomen dem Wissen entzieht und
allein dem Glauben offenbart. Der Glaube verfügt aber über keine
eindeutigen Namen bzw. Begriffe, sondern allein über vielfältige
und vieldeutige Hinweise, Zeichen oder Bezeichnungen.
Offenbarungen
des Glaubens lassen ganz persönliche Deutungen zu wie beispielsweise
auch das Wort Gott. Deshalb glaubt Sokrates seiner inneren Stimme,
als einer göttlichen Eingebung und nennt sie deshalb auch seinen
“daimonion”, also seinen persönlichen Schutzgeist, der Teil des
Ichs ist.
Diese
innere Stimme warnt ihn in entscheidenden Augenblicken und hielt ihn
von der Ausführung einer gefährlichen Absicht ab. Sokrates versteht
das Daimonion, wie bereits gesagt, als eine Gegeninstanz zum Logos,
die das erkennt, was der Vernunft verborgen bleibt, und vom Falschen
abrät, jedoch zu nichts rät.
Seinen
Daimonion schätzt Sokrates so hoch ein, dass er ihm auch gegen seine
rationale Einsicht gehorcht. Da er es auch über die Götter stellt,
wurde ihm sogar vorgeworfen, es als einen neuen Gott einführen zu
wollen.”
Die
innere Stimme offenbart der Fantasie, der Vernunft und dem Verstand,
dass sie selbst letztlich nichts Anderes ist als ein sprechendes
inneres Bild ihrer ureigenen daimonia.
Aus
der inneren Stimme spricht nicht nur das Selbst des Ichs, sondern
zugleich auch der Logos der Natur. Und was die innere Stimme nicht
auszudrücken vermag, zeigt sie dem Dritten Auge in den inneren
Bildern der Vorstellungskraft.
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