Donnerstag, 11. Dezember 2014

Problem des Glaubens

Das Problem des Glaubens ist das Verwechseln mit sinnlichem Wahrnehmen.

Glaube ich, was ich erlebe, oder erlebe ich, was ich glaube?

Der Gestaltpsychologe Rudolf Arnheim behauptet „Sobald wir wahrnehmen, gestalten wir auch!“ 

Fantasie ist das Vermögen, Wahrnehmungen so umzugestalten, dass wir uns behagen. Fantasie macht uns also unsere Wahrnehmungen für uns zurecht!

Fantasie erschwert das Unterscheiden zwischen sinnlichem und geistigem Erfassen.

Religionen machen sich diese Schwierigkeit zunutze, um Fantasien vom Leben nach dem Tod oder von Gottes Existenz anzuregen.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Glauben = inneres Wahrnehmen

Ich glaube mir, d.h. an das, was in mir (und mit mir) geschieht. Was ich glaube, halte ich für wahr. Glauben wie sinnliches Wahrnehmen erfahre ich durch Bewusstwerden. 

Was ich glaube, spiegelt sich im Bewusstsein als Vorstellung. Was ich sinnlich wahrnehme, spiegelt sich im Bewusstsein als Empfinden. Ich erfahre, was ich sehe, höre, taste, rieche, schmecke.

Was ich selbst erlebe, das nehme ich mir gewöhnlich ungefragt ab.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Glauben

Im Gegensatz zum Denken lässt sich Glauben nicht beweisen. Glauben vermag Erfahrungen nicht zu beweisen, sondern allenfalls dadurch zu überzeugen. Im Gegensatz zu Wissenschaften verfügt natürlicher Glaube nicht über Axiome. Religionen dagegen leisten sich Dogmen, um sich abzusichern.

Wenn hier von Glauben gesprochen wird, dann ist kein religiöser Glaube gemeint. Wie auch immer, die Geschichte hat uns nicht gelehrt, mit Glauben als inneres Vernehmen intuitiv gerecht umzugehen. Glauben ermöglicht nicht, sich an Begriffen zu orientieren. Glauben kennt allein Ideen, die  in Gestalt von Bildern hervorscheinen. Glauben existiert nicht aufgrund von Beweisen, sondern durch Überzeugungen. 

(Bisweilen werden Begriffe wie u.a. in Theologie, Pädagogik oder auch Politik, mit Überzeugungen vermischt und beides dadurch verflacht).

Als vernunftbegabtes Lebewesen existiert der Mensch sich wahrnehmend, fühlend, denkend und daran glaubend. Je nach Dominanz dieser Vermögen oder ihrer Mischungen schafft er sich seine Welt.
Kunst setzt Glauben und Fühlen schöpferischer Menschen ins Werk. Wissenschaft beruft sich dagegen auf empirisch überprüfbare Beweise. Glauben gründet auf Visionen. Visionäre, künstlerische und wissenschaftliche Welten existieren parallel. Gewöhnlich aber werden sie vermischt, sobald ein Wesen existiert. Reine Formen dieser Welten existieren sehr selten, so zum Beispiel in strengen beschaulichen Orden, im Tanz , in der Mathematik oder in der Musik. Problematisch wird es, sobald sich widersprüchliche Welten vermischen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn versucht wird, Glauben durch Wissenschaft zu begründen. Der in „Totzeit“ angelegte Weg, die Existenz Gottes zu beweisen, erweist sich zwangsläufig als Sackgasse. Angesichts der wissenschaftlichen Unerfahrenheit eines Sechzehnjährigen sollte das nicht verwundern. Allerdings stellt sich 46 Jahre später heraus, dass das Leitmotiv und nicht der Weg in Bezug auf den Erfolg maßgeblich bestimmend war. 

Die Erweiterung der Wesensbestimmung des vernunftbegabten Lebewesens als denkendes = glaubendes Wesen offenbart eine arg vernachlässigte, wissenschaftlich verdrängte Welt. 

Diese Offenbarung bedeutet keineswegs Kehre in Richtung Mythos, sondern vielmehr eine sich wieder holende Hinwendung zur Mystik.

Montag, 8. Dezember 2014

10. Bild


Agnostos neigt der Idee Schlegels und Hegels vom Weltgeist zu.

Die Seele ist eingebettet in das lichte Feld dieses Geistes.

Aber Agnostos fragt sich, warum er letztzlich diese Zuneigung nicht für sich annehmen kann.



Sonntag, 7. Dezember 2014

9. Bild


Das Gehirn schöpft aus der unendlichen Fülle aller Möglichkeiten eine endliche Menge, aus der es Welt gestaltet.

Das Gehirn schafft allein aus dem, was es vorfindet.

Deshalb spricht Platon vom Erkennen als Wiedererinnern.

In Totzeit gelangt Einsehen Sehen als Modus des Werdens zum Vorschein, ein Entsteheh und Vergehen, das Nietzsche als Rad der ewigem Wiederkehr des immer Gleichen zeichnet.

Phantasien des Gehirns produzieren Vorstellungen von der Existenz Gottes, weil diese apriori so gegeben ist.

Einen solchen Gott gäbe es nicht, wenn er nicht vor aller Raum und Zeit existieren würde.




Samstag, 6. Dezember 2014

8. Bild


Platons Betrachtung des Sterbens befriedigt Agnostos nicht..

Das Leben nach dem Tod "am anderen Ort" bleibt für ihn dunkel, obgleich Platon in seinem Höhlengleichnis vom Licht spricht.

Ein Licht aber, das ihm nicht leuchtet, genügt ihm nicht.

"Kennst Du denn das innere Licht nicht?". fragt ihn das Kind.

Agnostos irritiert: "Was soll das sein?"

Das Kind flüstert: "Manche nennen es auch "Erleuchtung" oder "Einsicht"!

Dann fährt es fort: "Einsehen, das zur Einsicht führt, geschieht vor allem Denken im Unbewussten.

Einsicht (Idee) kommt zustande, bevor sie durch einen Gedanken bewusst wird.

Nicht Du hast eine Einsicht, sondern eine Einsicht erfasst Dich (Eingebung)."

Für Agnostos wie für Platon ist Eingebung (idein) eine Tatsache.

Die Intelligenz der Natur offenbart eine unter allen Möglichkeiten.

Eingebungen erscheinen von jenem Ort her, zu welchem eine sterbende Seele zurückkehren wird.

Freitag, 5. Dezember 2014

7. Bild


Sterben ist für Platon entweder nu Nichtsein oder Wechsel bzw. Übersiedlung der Seele:
„Lasst uns auch auf folgende Weise bedenken, wie groß die Hoffnung (elpís) ist, dass es sich um etwas Gutes handelt. Denn von zwei Dingen kann das Sterben nur eines sein; entweder nämlich ist es wie ein Nichtsein (hoîon medèn eînai), so dass der Verstorbene auch keinerlei Empfindung mehr von irgendwas hat, oder es findet, wie ja behauptet wird, eine Art Wechsel (metabolètis) und Übersiedlung (metoíkesis) der Seele statt: von dem Orte hier an einen anderen Ort.“
Das Ende wird bei Platon zum Übergang, entweder ins „Nichts“ oder an einen „anderen Ort“.
Alle Philosophie dient letztlich dazu, sich auf den Tod vorzubereiten (meléte thanátou). Der Philosoph soll nach Platon „sterben lernen“, das heißt, er kann sich zum einen der Vorstellung nähern, dass das irdische Leben vergeht, zum anderen kann er lernen, darüber nicht traurig zu sein, weil ihm klar wird, dass es seinem Wunsch nach einem glücklichen, gelungenen Leben widerspräche, wenn dieses kein natürliches Ende hätte.