Sonntag, 7. Dezember 2014

9. Bild


Das Gehirn schöpft aus der unendlichen Fülle aller Möglichkeiten eine endliche Menge, aus der es Welt gestaltet.

Das Gehirn schafft allein aus dem, was es vorfindet.

Deshalb spricht Platon vom Erkennen als Wiedererinnern.

In Totzeit gelangt Einsehen Sehen als Modus des Werdens zum Vorschein, ein Entsteheh und Vergehen, das Nietzsche als Rad der ewigem Wiederkehr des immer Gleichen zeichnet.

Phantasien des Gehirns produzieren Vorstellungen von der Existenz Gottes, weil diese apriori so gegeben ist.

Einen solchen Gott gäbe es nicht, wenn er nicht vor aller Raum und Zeit existieren würde.




Samstag, 6. Dezember 2014

8. Bild


Platons Betrachtung des Sterbens befriedigt Agnostos nicht..

Das Leben nach dem Tod "am anderen Ort" bleibt für ihn dunkel, obgleich Platon in seinem Höhlengleichnis vom Licht spricht.

Ein Licht aber, das ihm nicht leuchtet, genügt ihm nicht.

"Kennst Du denn das innere Licht nicht?". fragt ihn das Kind.

Agnostos irritiert: "Was soll das sein?"

Das Kind flüstert: "Manche nennen es auch "Erleuchtung" oder "Einsicht"!

Dann fährt es fort: "Einsehen, das zur Einsicht führt, geschieht vor allem Denken im Unbewussten.

Einsicht (Idee) kommt zustande, bevor sie durch einen Gedanken bewusst wird.

Nicht Du hast eine Einsicht, sondern eine Einsicht erfasst Dich (Eingebung)."

Für Agnostos wie für Platon ist Eingebung (idein) eine Tatsache.

Die Intelligenz der Natur offenbart eine unter allen Möglichkeiten.

Eingebungen erscheinen von jenem Ort her, zu welchem eine sterbende Seele zurückkehren wird.

Freitag, 5. Dezember 2014

7. Bild


Sterben ist für Platon entweder nu Nichtsein oder Wechsel bzw. Übersiedlung der Seele:
„Lasst uns auch auf folgende Weise bedenken, wie groß die Hoffnung (elpís) ist, dass es sich um etwas Gutes handelt. Denn von zwei Dingen kann das Sterben nur eines sein; entweder nämlich ist es wie ein Nichtsein (hoîon medèn eînai), so dass der Verstorbene auch keinerlei Empfindung mehr von irgendwas hat, oder es findet, wie ja behauptet wird, eine Art Wechsel (metabolètis) und Übersiedlung (metoíkesis) der Seele statt: von dem Orte hier an einen anderen Ort.“
Das Ende wird bei Platon zum Übergang, entweder ins „Nichts“ oder an einen „anderen Ort“.
Alle Philosophie dient letztlich dazu, sich auf den Tod vorzubereiten (meléte thanátou). Der Philosoph soll nach Platon „sterben lernen“, das heißt, er kann sich zum einen der Vorstellung nähern, dass das irdische Leben vergeht, zum anderen kann er lernen, darüber nicht traurig zu sein, weil ihm klar wird, dass es seinem Wunsch nach einem glücklichen, gelungenen Leben widerspräche, wenn dieses kein natürliches Ende hätte.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

6. Bild

Agnostos beginnt sich in seiner neuen Welt gerade wohl zu fühlen, als er aus seinem Traum erwacht. Enttäuscht kehrt er in seine alte Welt zurück.

Agnostos ist immer noch überwältigt von seiner Traumerfahrung, als er das Kind wieder trifft.

"Hast Du einen Unterschied bemerkt?", fragt es ihn.

"Welchen Unterschied?"

"Den zwischen Traum und Wirklichkeit!"
Es fügt hinzu: "Und genau so ist es zwischen "Leben und Tod!"

Agnostos amüsiert diese kindliche Naivität. Lächelnd erklärt er: "Wenn ich träume, lebe ich, aber wenn ich tot bin, träume ich nicht mehr!"

"Woher weißt Du das? Du warst doch noch nie tot?", will das Kind wissen.


Mittwoch, 3. Dezember 2014

5. Bild

Eine Art heimelige Wolke hüllt die Umgebung des Sterbebettes ein und löst die Wirklichkeit in einen sanften Nebel auf.

Das Gefühl zu schweben leitet den Abschied ein.

Ungefähres drängt Genaues zurück.

Merkwürdigerweise findet er sich im Zuhause wieder.

Erschrecken über die freie Art sich denkend fortzubewegen.

Inhalte von Gedanken werden spontan wirklich.

Agnostos erfährt Vorsicht und Antizipation als unabdingbare Mittel, um sich in der neuen Welt sicher bewegen zu können.

Dienstag, 2. Dezember 2014

4. Bild


Ein Höhlenmensch, der, von seinen Fesseln befreit, aus der Höhle flüchtet, gleicht für Platon der Seele, die dem sterbenden Körper entflieht.

Agnostos weiß zwar, dass Leben für Platon nur der vorübergehende Aufenthalt der Seele im Haus eines Körpers bedeutet, aber für ihn bleibt unklar, wohin die Seele entschwindet, sobald sie dieses Haus verlässt.

Agostos nimmt an, dass Platon das selbst ncht weiß.

Sein Lehrer Sokrates trinkt freiwillig den tödlichen Schirlingsbecher aus, weil ihn seine Neugier treibt, endlich in Erfahrung zu bringen, was eigentlich nach dem Tod geschieht.

Da die Seele mit dem Körper auch die Sprache verliert, lässt sie Schweigen über die Wahrheit des Sterbens zurück.

Das Kind aber bedauert Agnostos, will ihn tösten und fragt ihn deshalb: "Soll ich Dir verraten, was die Seele macht, wenn sie auszieht?"

Agnostos verneint, weil er ihm das Spiel kindlicher Fantasien kindlicher Fantasien sicher erscheint.

Aber nachts träumt er, was er sich tags versagt.

Träumend besinnt er sich auf die Wirklichkeit des Träumens.

Er erfährt das Träumen als Wirklichkeit und erkennt Platons Idee von der Wirklichkeit als Traum.

Ihm wird nachts träumend klar, was ihm tags wachend verborgen bleibt.

Im eröffnet die Wahrheit des Traumes das Sterben als Brücke über die Kluft zwischen rein Sinnlichem und rein Geistigen.

Schließlich lädt ihn der Traum ein zu sterben.

Montag, 1. Dezember 2014

3. Bild


Wenn das limbisch gereizte Gehirn "Gott" spielt,
dann erkennt ein Kind das nicht als Spiel der Fantasie.

Es glaubt, was es sinnlos, weil ohne Sinnen sieht.

Weil es diese frühen Erfahrungen für wahr hält, erlebt es das neuronale Hirngespinst als wirklich.

Geschickte Worte verstärken diesen frühen Eindruck, und aus Spiel wird Ernst.

Religionen schicken Lobgesänge gegen das Leben.

Kindliche Fantasien gestalten aus religiösen Verherrlichungen des Todes vorgestellte Kämpfe der Bösen gegen die Guten oder umgkehrt, wenn die andere Seite dominiert.